Der wichtigste Umbau beginnt in den Köpfen: Wie gemeinsamer Wandel in der Leitwarte gelingt
Einfach nur Technik austauschen? Damit ist es längst nicht getan, wenn eine Leitwarte zukunftsfähig werden soll. Dort, wo Operator-Teams rund um die Uhr komplexe Prozesse überwachen, verändert jede Erneuerung vor allem eines: den Arbeitsplatz der Menschen. Gemeinsam mit Jungmann Systemtechnik (JST) entschied sich die AGR Gruppe deshalb für ein Modernisierungskonzept, das weit über den Austausch von Technik hinausgeht. Frühzeitige Einbindung der Mitarbeitenden, gelebte Zusammenarbeit und ein gemeinsam entwickeltes Zukunftsbild sorgten schnell für Akzeptanz. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Kontrollraum-Simulator von JST. Hier entstand die Grundlage für eine Leitwarte, deren Modernisierung von der Belegschaft aktiv mitgetragen wird.
Wie modernisiert man eine Leitwarte, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren, die dort im 24/7-Schichtbetrieb arbeiten? Vor dieser Aufgabe stand die AGR Gruppe Ruhr, eines der führenden Entsorgungsunternehmen im Ruhrgebiet. Im RZR Herten (Rohstoffrückgewinnungs-Zentrum Ruhr) werden die Prozesse der thermischen Abfallverwertung und Energiegewinnung rund um die Uhr aus einer zentralen Leitwarte überwacht und gesteuert. Nach mehr als vier Jahrzehnten entsprach jedoch die technische und ergonomische Ausstattung nicht mehr den Anforderungen eines modernen Arbeitsplatzes.
Ganzheitliches Konzept für die Leitwarte
„Der eigentliche Auslöser waren unsere Kollegen“, erinnert sich Stefan Semer, Leitung Produktion im RZR Herten. „Eine Analyse zeigte, dass überwiegend sitzende Tätigkeiten der Mitarbeitenden zu gesundheitlichen Belastungen führen können.“ Schnell wurde deutlich: Höhenverstellbare Arbeitskonsolen ließen sich mit der vorhandenen Infrastruktur nicht realisieren. Wer die Ergonomie nachhaltig verbessern wollte, musste die Leitwarte komplett neu denken. Gemeinsam mit Jungmann Systemtechnik entwickelte die AGR Gruppe daher ein ganzheitliches Konzept für die Prozesswarte.
Ergonomie als Ausgangspunkt – Innovation als Ergebnis
Neue höhenverstellbare Stratos X11®-Kontrollraumpulte schaffen ergonomische Arbeitsplätze, während die KVM-Technologie mit dem JST MultiStreaming®-System die Rechnertechnik aus den Pulten in separate Technikräume verlagert. So entsteht ein aufgeräumtes CleanDesk-Konzept mit mehr Bewegungsfreiheit und zugleich deutlich größerer Flexibilität. Auch Wärme- und Geräuschquellen wurden aus der Warte verbannt. „Der Initiator war die Höhenverstellbarkeit. Das nutzen heute viele Kollegen aus der Leitwarte und loben das auch sehr“, sagt Semer. Auch die neue Monitorlandschaft werde vom Team geschätzt: „Die bessere Übersicht ist schon ein echter Mehrwert.“
Akzeptanz entsteht lange vor dem ersten Umbautag
Den Grundstein für diese hohe Akzeptanz legten AGR und JST schon lange vor dem eigentlichen Umbau. Die wichtigste Entscheidung fiel nicht auf der Baustelle, sondern deutlich früher. „Wir haben versucht, jeden Mitarbeiter einmal nach Neu Wulmstorf in den Kontrollraum-Simulator zu bringen. Wir wollten, dass sie den Nutzen und die Möglichkeiten ihres zukünftigen Arbeitsplatzes selbst erleben“, beschreibt Semer den Gedanken hinter diesem Ansatz. Deshalb lud die AGR Gruppe nahezu ihr gesamtes Operator-Team noch vor Beginn der Arbeiten in den JST Showroom in Norddeutschland ein. Dort konnten sie die neue Arbeitsumgebung unter realitätsnahen Bedingungen erleben, Fragen stellen und die Bedienkonzepte selbst ausprobieren. Eine gute Gelegenheit, um Berührungsängste gegenüber der neuen Technik abzubauen.
„Mitarbeiter wussten, was auf sie zukommt“
Wie wertvoll diese vorausschauende Vorgehensweise war, zeigte sich Monate später, als die Leitwarte sich in eine Baustelle verwandelte: Während rund um die Beschäftigten gesägt, gebohrt und umgebaut wurde, liefen Überwachung und Steuerung der Anlagen ohne Unterbrechung weiter. „Unsere Mitarbeiter wussten, was auf sie zukommt. Sie wussten, wie das Endergebnis aussieht, und haben auch in der Umbauphase einen hervorragenden Job gemacht“, lobt Stefan Semer das Engagement der Belegschaft.
Instrument für erfolgreiches Change Management
Ein klassischer Showroom-Besuch wird zum entscheidenden Baustein des gesamten Veränderungsprozesses. Der Kontrollraum-Simulator dient nicht nur dazu, neue Technik vorzustellen. Er vermittelt jedem einzelnen Operator ein konkretes Bild seines künftigen Arbeitsplatzes und kann auf diese Weise als Instrument für erfolgreiches Change Management eingesetzt werden. Stefan Semer nennt genau das als entscheidenden Erfolgsfaktor für die Modernisierung: „Ohne Akzeptanz des Leitwartenteams braucht man keine Modernisierung zu starten.“
Unsere Referenzen heute (Auswahl)
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