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Der Kontrollraum der Zukunft – fundamentale Schritte auf dem Weg zur digitalen Transformation

12.06.2019

JST Magazin - der Kontrollraum der Zukunft

© Kir Smyslov - AdobeStock.com

Gestengesteuerte Interfaces, Multi-Touch-Screens und holografische 3-D-Projektionen – was noch zu Beginn der 2000er im Kino-Blockbuster „Minority Report“ wie kühne Science Fiction wirkte, rückt heute immer weiter in den Bereich des Möglichen. Doch auch wenn Aspekte dieser Visionen im Consumer-Bereich bereits Realität sind, muss sich der Kontrollraum-Sektor bis zur Tauglichkeit für 24/7-Ansprüche noch in Geduld üben. Tatsächlich sind es nicht allein technische Innovationen, die über die Zukunft der Branche bestimmen. Insbesondere demografische Entwicklungen zählen zu den elementarsten Aspekten für die Planungen der nächsten Jahre.

Das nagelneue Smartphone mit all den herausragenden Features ist schon nach wenigen Monaten „Schnee von gestern“. Überholt. Vom Nachfolger in den Schatten gestellt. „Genau das darf in der Kontrollraum-Welt nicht passieren. Wir müssen heute schon wissen, wohin die Reise geht, welche Entwicklungen und Hürden wir bei der Planung einer neuen Leitwarte zu berücksichtigen haben“, bringt es Timo Bredehöft auf den Punkt. Der Spezialist für Kontrollraum-Planung weiß, wovon er spricht, wenn er auf Basis empirischer Daten die Faktoren nennt, die den „Kontrollraum der Zukunft im Spannungsfeld von Fachkräftemangel und Digitalisierung“ ausmachen. Was erwartet die Branche im kommenden Jahrzehnt? Welche Vorbereitungen sind notwendig, um künftigen Anforderungen gewachsen zu sein?

Immer mehr Überwachungsaufgaben für immer weniger Mitarbeiter

Laut Bitkom gab es bereits 2018 mehr als 55.000 unbesetzte Stellen für Computerspezialisten. Tendenz steigend. Auf der anderen Seite wachsen die auszuwertenden Datenmengen kontinuierlich; Stichwort: „Big Data“ – „Daten sind das neue Öl“. Auch die Anzahl der zu überwachenden Systeme und Devices steigt bis zum Ende der 2020er um das 3,8fache. Lösungsansätze für diese Diskrepanz finden sich beispielsweise in steuernder Intelligenz. Die Kommunikation zwischen Maschinen führt zu intelligenten und selbstlernenden Systemen, die immer weniger auf die klassischen zentralen Funktionen angewiesen sind. Es entsteht quasi eine Kollaboration zwischen Mensch und „digitalem Zwilling“.

Unbestritten ist: Die Massenverrentung der Baby-Boomer-Generation in Kombination mit den Folgen geburtenschwacher Jahrgänge wird die Unternehmen vor Herausforderungen stellen, die nicht allein technische Lösungen, sondern ebenso ein Umdenken bei der Gestaltung der Arbeitswelt erfordern.

Steigende Ansprüche an das neue „Arbeitsumfeld Kontrollraum“

Timo Bredehöft: „Wir müssen die Work-Live-Balance stärker in den Vordergrund rücken, um attraktiv für junge Mitarbeiter zu sein. Da gibt es beispielhafte Modelle der Global Player, in denen Mitarbeiter durch außergewöhnliche Konzepte mit Ruhe- oder Gamingzonen, mit Sport- und Ernährungsangeboten an ihr Unternehmen gebunden werden.“ Addiert man hier Open-Space-Arbeitsflächen, die Mitarbeiter bedarfsorientiert nutzen, die aber auch dazu dienen, zentral und dezentral eingesetzte Teammitglieder zusammenzuführen, vollzieht sich eine Annäherung an das neue „Arbeitsumfeld Kontrollraum“.

Timo Bredehöft

„Der Kontrollraum der Zukunft mag vielleicht kein Raum mehr sein, wie wir ihn heute kennen. Mit der richtigen Planung jedoch hat er in jedem Fall das Zeug, zu einem der wichtigsten Profitcenter in Produktion und Kundendialog zu werden.“

Timo Bredehöft,
Consultant und Planungs-Experte bei JST Jungmann

Durchdachte Planung sichert die Wandlung zum Profitcenter

Zu den substanziellen Faktoren, die bei der gedanklichen Reise in den Kontrollraum der Zukunft berücksichtigt werden müssen, zählt in den Augen von Planungsfachmann Bredehöft auch die Überprüfung der Kommunikationsprozesse innerhalb des Teams. Im Idealfall nehmen sich ältere und junge Mitarbeiter gegenseitig an die Hand, profitieren vom Know-how und technischem Skill des jeweils anderen.

Familienfreundliche Schichtmodelle sowie die Auseinandersetzung von Möglichkeiten im Bereich der Monitoring-, Smart- und Social Collaboration bringen weitere wesentliche Benefits, den Kontrollraum zu einem der wichtigsten Profitcenter in Produktion und Kundendialog zu transformieren.

Der Wert von Daten, von Erkenntnissen, die in Echtzeit und in Prognose aus Daten unterschiedlichster Quellen und Arten gewonnen werden, steigt kontinuierlich. Konsequenz für die Entwicklung in der Leitstellentechnik der Kontrollraumbranche: Die IT durchläuft einen Prozess von der Rolle des Kostenfaktors zur Kernkompetenz. Der Kontrollraum sichert nicht mehr nur betriebliche Abläufe und trägt im Rahmen gesetzter Vorgaben zur Steigerung von Effizienz und Sicherheit bei, sondern wird zum zentralen Knotenpunkt zur Erhebung und Auswertung von Daten. Realisiert wird diese Neudefinition durch AI (Artificial Intelligence), einem der größten Mega-Märkte der Zukunft. Systeme künstlicher Intelligenz (KI), die maschinelles Lernen, also die künstliche Generierung von Wissen aus Erfahrung, ermöglichen, gleichen den zunehmenden Fachkräftemangel aus. Kontrollraum-Experte Timo Bredehöft jedoch ist überzeugt: „Die Maschinen werden uns riesige Arbeitspakete bei der Korrelation von Daten abnehmen. Aber in kritischen Situationen wird letztlich doch immer der Mensch gefragt sein, der Bewertungen mit Herz, Bauch und klarem Verstand treffen kann.“

JST Magazin - der Kontrollraum der Zukunft

© phonlamaiphoto – AdobeStock.com